Wie sechs Grundlagen gemeinsam das moderne Fachgebiet der Geo-ICT bilden.

Als ich vor Jahren das Geo-ICT Training Center gründete, stellte ich fest, dass zwar viel über die Zukunft des Fachgebiets gesprochen wurde, aber relativ wenig geschah. Ich war der Überzeugung, dass wir besser aufhören sollten, endlos zu reden und zu tagen, und einfach an die Arbeit gehen sollten. Ein Fachgebiet, das sich vor allem mit sich selbst beschäftigt, wächst nicht.

Geo-ICT und Geoinformationen kommen in nahezu allen Branchen zum Einsatz: von der Wasserwirtschaft und Infrastruktur über die Landwirtschaft, Energie und Mobilität bis hin zur bebauten Umwelt. Es ist ein Wachstumsmarkt.

Deshalb begann ich mit etwas ganz Praktischem: einer Website mit über sechzig CAD- und GIS-Kursen. Nicht, weil ich der Meinung war, dass CAD und GIS das gesamte Fachgebiet ausmachen, sondern weil dort zu diesem Zeitpunkt der größte Bedarf bestand und wir Fachleuten direkt weiterhelfen konnten.

In diesem Blog führe ich dich durch die sechs Grundlagen des Fachgebiets Geo-ICT und zeige dir, warum gerade diese Disziplinen die Basis für jeden modernen Geo-ICT-Fachmann bilden.

Die Grundlage / das Fundament

Dieser praktische Ansatz hat sich nie geändert. Für mich bedeutet Geo-ICT den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie, um geografische Informationen zu erfassen, zu verarbeiten, zu analysieren und schließlich anzuwenden.

Ob Vermessung, Drohnen, Satelliten, GIS, GeoAI oder digitale Zwillinge: Das Ziel ist immer dasselbe. Wir nutzen geografische Informationen, um bessere Entscheidungen zu treffen.

Gerade weil Geo-ICT so breit gefächert ist, strömen Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Studienrichtungen in dieses Fachgebiet. Unsere Trainees haben beispielsweise Geowissenschaften, Geografie, Bauingenieurwesen, Bauwesen, Umweltwissenschaften, Hydrologie oder ein anderes geowissenschaftliches Studium absolviert. Während ihres Studiums haben sie oft bereits eine oder mehrere Grundlagen des Fachgebiets kennengelernt. Dadurch können wir ihnen relativ schnell die praktischen Fähigkeiten vermitteln, die erforderlich sind, um mit GIS, CAD und anderen Geo-ICT-Technologien zu arbeiten. Anschließend sind sie sofort bei unseren Auftraggebern einsetzbar.

Hinter jeder Karte, jeder Analyse oder jedem digitalen Zwilling verbirgt sich nämlich eine solide Grundlage aus Geowissenschaften und technischen Disziplinen. Ein kürzlich erschienener Artikel der International Federation of Surveyors (FIG) beschreibt diese Grundlage anhand von sechs grundlegenden Säulen der Geomatik. Auch wenn man über die Bezeichnung des Fachgebiets diskutieren kann, stimme ich vor allem dem dahinterstehenden Gedanken zu: Ein guter Geo-ICT-Fachmann versteht nicht nur die Software, sondern auch die Disziplinen, auf denen diese Software aufbaut.

Warum Geo-ICT immer breitere Anwendung findet

Wer vor zwanzig Jahren an Geo-ICT dachte, dachte oft an eine GIS-Anwendung auf einem Desktop-Computer. Heutzutage hat sich dieses Bild völlig gewandelt. Geografische Informationen werden nicht nur analysiert, sondern auch kontinuierlich erfasst, verarbeitet, geteilt und genutzt. Nahezu jede technologische Entwicklung hat mittlerweile eine räumliche Komponente.

Drohnen und LiDAR ermöglichen es, schnell sehr detaillierte 3D-Modelle der physischen Umgebung zu erstellen. Satelliten liefern täglich neue Bilder der Erde, während IoT-Sensoren und GNSS-Geräte kontinuierlich aktuelle Daten beispielsweise über den Verkehr, Wasserstände, die Luftqualität und die Infrastruktur erfassen. Dank Cloud-Plattformen können diese enormen Datenmengen nahezu sofort verarbeitet und geteilt werden. Künstliche Intelligenz (KI) hilft anschließend dabei, Muster zu erkennen, Objekte automatisch zu klassifizieren und Vorhersagen zu treffen. All diese Informationen fließen schließlich in Dashboards, WebGIS-Lösungen und zunehmend auch in digitale Zwillinge ein.

Diese Entwicklungen sorgen dafür, dass sich Geo-ICT immer weiter ausbreitet. Das Fachgebiet betrifft nicht nur den traditionellen Geosektor, sondern spielt mittlerweile auch eine wichtige Rolle unter anderem bei der Energiewende, der Klimaanpassung, der Landwirtschaft, der Mobilität, der Wasserwirtschaft, dem Asset-Management und im Bauwesen.

Gerade dadurch wird deutlich, dass Geo-ICT viel mehr ist als nur GIS. Hinter jeder Karte, jeder Analyse oder jedem digitalen Zwilling verbirgt sich eine Kette von Disziplinen. Daten müssen zunächst erfasst, präzise verortet, verarbeitet, analysiert, visualisiert und schließlich angewendet werden. Wer nur das Endprodukt sieht, übersieht das große Ganze.

Dieses Gesamtbild wird in einem Modell der International Federation of Surveyors (FIG) treffend zusammengefasst, in dem das georäumliche Fachgebiet aus sechs grundlegenden Disziplinen besteht. Zusammen bilden sie die Grundlage für jeden modernen Geo-ICT-Fachmann.

Die sechs Grundpfeiler von Geo-ICT

Geo-ICT entwickelt sich rasant weiter. Neue Technologien wie GeoAI, digitale Zwillinge, IoT und Cloud-Plattformen verändern unsere Arbeitsweise, bauen jedoch alle auf derselben Grundlage auf.

Diese Grundlage besteht aus sechs grundlegenden Disziplinen: Georeferenzierung, Erdbeobachtung, Geoinformatik, Geovisualisierung, Landmanagement und Geoinformation (siehe Abbildung oben in diesem Blog). Zusammen beschreiben sie die gesamte Kette des georäumlichen Fachgebiets: von der Erfassung geografischer Daten und der genauen Bestimmung von Standorten bis hin zur Analyse, Visualisierung und Verwaltung dieser Informationen.

Gerade weil diese Disziplinen miteinander zusammenwirken, hat sich Geo-ICT zu einem Fachgebiet entwickelt, das in nahezu jedem Sektor Anwendung findet. In den folgenden Abschnitten gehe ich auf jede dieser Grundlagen ein und zeige, wie sie gemeinsam die Basis für jeden modernen Geo-ICT-Fachmann bilden.

1. Geoinformation – Verstehen, was man kartografiert

GISAlles beginnt mit Geoinformationen. Bevor man Daten erfassen oder analysieren kann, muss man verstehen, was man eigentlich beschreiben möchte. Das erfordert Kenntnisse der physischen und menschlichen Geografie. Man denke dabei an Landschaft, Boden, Wasser, Infrastruktur, Bebauung und die Art und Weise, wie diese miteinander zusammenhängen.

Genau dieses Fachwissen macht den Unterschied zwischen jemandem, der ein GIS-Programm bedienen kann, und einem Geo-ICT-Experten, der räumliche Zusammenhänge versteht. Eine Karte ist schließlich nie das Ziel, sondern ein Hilfsmittel, um Einblicke in die Realität zu gewinnen.

Unsere Auszubildenden kommen oft aus Studiengängen wie Geowissenschaften, Geografie, Hydrologie oder Bauwesen. Dort legen sie den Grundstein für das Verständnis geografischer Prozesse. Dieses Wissen bildet den Ausgangspunkt für ihre weitere Entwicklung im Bereich Geo-ICT.

2. Georeferenzierung – Wissen, wo sich etwas befindet

Geografische Daten sind nur dann von Wert, wenn der Standort stimmt. Bei der Georeferenzierung geht es daher um die genaue Bestimmung von Positionen auf der Erde. Hier liegen die Wurzeln des Fachgebiets, mit Disziplinen wie Geodäsie, Vermessungswesen, GNSS, Totalstationen und Koordinatensystemen.

Obwohl viele Fachleute täglich mit GPS arbeiten, ist nur wenigen Menschen bewusst, wie viel Technik erforderlich ist, um eine Position auf wenige Zentimeter genau zu bestimmen. Ohne diese Genauigkeit wären Karten, digitale Zwillinge und räumliche Analysen schlichtweg nicht zuverlässig.

Auch neue Entwicklungen wie autonomes Fahren, Präzisionslandwirtschaft und Maschinensteuerung sind vollständig von diesem grundlegenden Wissen abhängig.

Im Blog „Geodätische Lieferkette“ erfahren Sie, dass diese Grundlage von lebenswichtiger Bedeutung ist und ganz oben auf der Agenda der weltweit führenden Politiker stehen sollte.

3. Erdbeobachtung – Die Welt ständig im Blick

Während früher viele Daten manuell erfasst wurden, wird heute ein Großteil der geografischen Informationen automatisch erhoben. Satelliten, Drohnen, LiDAR, Fotogrammetrie und Echtzeit-Sensoren liefern täglich enorme Mengen an neuen Daten.

Diese Techniken ermöglichen es, Veränderungen nahezu sofort sichtbar zu machen. Denken Sie dabei an Bodensenkungen, Überschwemmungen, Vegetationsentwicklung, Infrastruktur oder den Fortschritt von Bauprojekten.

Die Menge der verfügbaren Daten wächst nach wie vor explosionsartig. Dadurch verlagert sich die Herausforderung zunehmend von der Datenerfassung hin zu deren intelligenter Verarbeitung und Interpretation.

4. Geoinformatik – Wo Daten an Wert gewinnen

Die Geoinformatik ist vielleicht der bekannteste Bestandteil der Geo-IKT. Hier werden geografische Daten gespeichert, verwaltet, analysiert und kombiniert. GIS spielt dabei eine zentrale Rolle, aber auch Datenbanken, Python, SQL, FME, Cloud-Plattformen und zunehmend GeoAI gehören zu diesem Fundament.

Gerade in dieser Disziplin laufen die anderen Grundlagen zusammen. Daten von Drohnen, GNSS, Satelliten und Sensoren werden hier in verwertbare Informationen umgewandelt, mit denen Organisationen bessere Entscheidungen treffen können.

GeoAI beschleunigt diese Entwicklung noch weiter. Während Analysen früher vollständig manuell durchgeführt wurden, können Algorithmen heute Objekte erkennen, Veränderungen feststellen und Vorhersagen treffen. Dennoch hängt die Qualität des Ergebnisses stets von der Qualität der zugrunde liegenden geografischen Daten ab.

5. Geovisualisierung – Von Daten zu Erkenntnissen

Gute Analysen sind erst dann wertvoll, wenn die Menschen die Ergebnisse verstehen. Die Geovisualisierung setzt komplexe Datensätze in Karten, Dashboards, 3D-Modelle und digitale Zwillinge um, die einen unmittelbaren Einblick vermitteln.

Das ist wichtig, denn immer mehr Entscheidungen werden auf der Grundlage geografischer Informationen getroffen. Führungskräfte, politische Entscheidungsträger, Projektleiter und Verwalter wollen nicht die Rohdaten sehen, sondern ein klares Bild der Situation.

Mit dem Aufkommen von WebGIS, interaktiven Dashboards und digitalen Zwillingen gewinnt die Visualisierung zudem zunehmend an Bedeutung. Nicht nur für die Analyse, sondern auch für die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen.

6. Landmanagement – Geoinformationen in der Praxis anwenden

Letztendlich geht es bei Geo-ICT nicht um Daten, sondern um die Verwaltung und Gestaltung unserer Lebensumgebung. Land Management konzentriert sich auf die Erfassung, Verwaltung und Nutzung geografischer Informationen innerhalb von Organisationen und Behörden.

Dazu gehören beispielsweise Basisregister, Eigentumsinformationen, Anlagenmanagement, Raumordnung, Kabel und Leitungen, Wasserwirtschaft und der öffentliche Raum. Hier fließen alle zuvor genannten Grundlagen zusammen und werden Analysen in praktische Anwendungen umgesetzt.

Genau deshalb ist Geo-IKT heutzutage unverzichtbar geworden. Nahezu jede gesellschaftliche Herausforderung – vom Wohnungsbau über die Energiewende bis hin zur Klimaanpassung und Mobilität – erfordert zuverlässige geografische Informationen sowie Fachleute, die verstehen, wie die gesamte georäumliche Kette funktioniert.

Die Zukunft des Fachbereichs Geo-ICT

Wenn ich eine Entwicklung ausmachen kann, dann ist es die, dass Geo-ICT in den kommenden Jahren nur noch an Bedeutung gewinnen wird. Nahezu jede gesellschaftliche Herausforderung hat mittlerweile eine geografische Komponente. Man denke nur an die Energiewende, die Klimaanpassung, den Wohnungsbau, die Mobilität, die Wasserwirtschaft und die Gestaltung unseres Lebensraums. Gleichzeitig sorgen Geo-KI, digitale Zwillinge, Cloud-Plattformen und Echtzeit-Sensordaten dafür, dass geografische Informationen schneller verfügbar sind und eine immer größere Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen.

Die Technologie wird sich dabei weiter verändern. In zehn Jahren werden wir wahrscheinlich mit Hilfsmitteln arbeiten, die wir uns heute noch kaum vorstellen können. Doch wie schnell sich die Technologie auch entwickeln mag – die Grundlagen des Fachs bleiben dieselben. Wer versteht, wie geografische Informationen erfasst, verortet, analysiert, visualisiert und verwaltet werden, kann sich auch weiterhin an neue Entwicklungen anpassen.

Das ist auch die Vision, mit der ich einst das Geo-ICT Training Center gegründet habe. Nicht durch endlose Diskussionen über Definitionen, sondern durch die Ausbildung von Menschen und die Förderung des Fachgebiets. Diese Vision setzen wir auch heute noch um. Unsere Kurse und Ausbildungsprogramme basieren auf der Praxis und auf den breiten Grundlagen von Geo-ICT, wodurch Fachkräfte schnell einsetzbar sind und gleichzeitig eine solide Basis für ihre weitere Karriere entwickeln.

Dieser Ansatz kommt nicht nur in den Niederlanden gut an. Mittlerweile wenden wir dasselbe Konzept auch immer häufiger in anderen europäischen Ländern an. Die Herausforderungen unterscheiden sich zwar manchmal von Land zu Land, aber die Grundlagen von Geo-ICT sind überall dieselben. Gerade deshalb glaube ich, dass Wissensaustausch, praxisorientierte Ausbildung und internationale Zusammenarbeit eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung unseres Fachgebiets spielen werden.

Wenn wir weiterhin in Menschen und in diese sechs Grundlagen investieren, bin ich überzeugt, dass die Zukunft von Geo-ICT gerade erst begonnen hat.

Geo-ICT Training Center, Niederlande – Anton Schutte

Anton Schutte

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