FOSS4G Europe (Free and Open Source Software for Geospatial Europe) ist Europas führende Konferenz im Bereich der Open-Source-Geodaten-Technologie.
Wie auf dem Foto zu sehen ist, bringt sie jedes Jahr eine große Gruppe von Entwicklern, Forschern, Behörden und Unternehmen zusammen, die an Projekten wie QGIS, PostGIS, GeoServer, GDAL und vielen anderen Open-Source-Lösungen arbeiten. Im Namen des Geo-ICT Training Center habe ich die Konferenz besucht, um mein technisches Wissen weiter zu vertiefen, Kontakte innerhalb der Community zu knüpfen und einen Workshop zum Aufbau einer Open-Source-IoT-Geodaten-Pipeline zu halten. Bei FOSS4G geht es jedoch um mehr als nur Technologie.
Die Konferenz findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem in Europa die Debatte über digitale Souveränität und die Rolle, die Open-Source-Software bei der Verringerung der Abhängigkeit von proprietären Plattformen spielen kann, immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dieser breitere Kontext verlieh vielen Gesprächen während der Konferenz zusätzliche Bedeutung und Aktualität.
Digitale Souveränität beginnt mit einer digital unabhängigen Infrastruktur. Europa erkennt zunehmend die Risiken einer zu starken Abhängigkeit von proprietärer Software. Der US-amerikanische CLOUD Act kann beispielsweise US-Unternehmen dazu verpflichten, Zugang zu Daten zu gewähren, auch wenn diese auf europäischen Servern gespeichert sind.
Angesichts der sich wandelnden geopolitischen Lage wird sich Europa dieser Abhängigkeit immer bewusster und sucht nach Wegen, sie zu verringern, zum Beispiel:
Vor diesem Hintergrund ist Open Source wichtiger denn je. FOSS4G bringt die Open-Source-Community rund um Geoinformationssoftware zusammen.
Die Bedeutung dieser Konferenz wächst, doch das Open-Source-Modell wirft auch eine wichtige Frage auf: Wenn die Software kostenlos und Open Source ist, wie stellen wir dann sicher, dass sie langfristig bestehen bleibt?
Moderne IT-Systeme sind in hohem Maße von Open-Source-Software abhängig, während viele der Menschen, die diese Software pflegen, dafür nicht direkt bezahlt werden.
Wenn wir wollen, dass diese Gemeinschaft weiter wächst und innovativ bleibt, müssen wir sie unterstützen, beispielsweise durch finanzielle Beiträge oder durch aktive Mitarbeit an Softwareprojekten und Veranstaltungen.
Die Reise war schon ein Erlebnis für sich. Zusammen mit Hans van der Kwast, Dirk Voets und Laura Agudelo Mayorga reiste ich mit dem Zug nach Rumänien. Gerade als die Hitzewelle in den Niederlanden zu Ende ging, setzte sie in Rumänien ein. Wir erlebten beide mit, wobei die Temperaturen dort auf etwa 40 Grad Celsius stiegen. Das machte die Reise ziemlich intensiv, gab uns aber auch viel Zeit, uns schon vor Beginn der Konferenz gemeinsam zu beschäftigen.
Dies war meine erste FOSS4G Europe, und ich war vor allem dorthin gereist, um auf technischer Ebene so viel wie möglich zu lernen und einen Workshop zu leiten. Ich habe viel über verschiedene Open-Source-Systeme gelernt und darüber, wie diese miteinander zusammenwirken. Von außen betrachtet sieht man oft einzelne Anwendungen oder Projekte, aber während der Konferenz bekam ich ein viel besseres Bild davon, wie all diese Teile zusammen ein größeres Ökosystem bilden, mit vielen verschiedenen Komponenten, die ineinandergreifen.

Joram und die Teilnehmer während des Workshops: Vom Sensor zum GeoJSON: Aufbau einer Open-Source-IoT-Geo-Pipeline
Eines der Dinge, die mir am besten gefallen haben, war das Treffen mit den Menschen, die die Software tatsächlich entwickeln. Wenn man Fan eines bestimmten Open-Source-Projekts ist, hat man auf einer Konferenz wie dieser die Gelegenheit, die Kernentwickler zu treffen, ihre Workshops zu besuchen und direkt von ihnen zu lernen. Es fühlte sich wie ein Privileg an, zwischen so vielen Experten und Technikern mit einem enormen Wissensschatz herumzulaufen. Auf einer Konferenz wie der FOSS4G ist unglaublich viel Fachwissen versammelt, und es war etwas Besonderes, ein Teil davon zu sein.
Gleichzeitig wirkte die Konferenz überhaupt nicht formell oder distanziert. Ich traf viele leidenschaftliche Menschen, und die Gespräche gingen schnell über eine erste Bekanntschaft hinaus, da alle das gleiche Interesse und die gleiche Begeisterung für das Fachgebiet teilten. Man konnte sofort in die Tiefe gehen und dabei neue Kontakte knüpfen. Das verlieh der Gemeinschaft das Gefühl, eine große Familie zu sein. Und wie in jeder Familie gibt es auch Diskussionen und Herausforderungen, aber genau das gehört dazu.
Es war schön zu sehen, dass während der Konferenz auch Raum für solche Gespräche war. Ein Beispiel war die Diskussion über KI im Open-Source-Bereich: Wie kann künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um Code beizusteuern, und wann verursacht sie gerade Probleme? Das sind keine einfachen Fragen, aber es ist wichtig, dass die Community den Raum bekommt, diese offen miteinander zu diskutieren.
Ich habe nicht nur während der Vorträge und Workshops viel gelernt, sondern auch von Hans, Dirk und Laura sowie in den vielen spontanen Gesprächen beim Mittag- und Abendessen. Gerade diese informellen Momente waren mindestens genauso wertvoll. Die Konferenz hat mir ein viel klareres Bild vom Open-Source-Geodaten-Ökosystem vermittelt und von der enormen Menge an Wissen, Zusammenarbeit und Engagement, die erforderlich ist, um es am Laufen zu halten.
Beim Geo-ICT Training Center verstärken wir aktiv unser Engagement für Open Source. Auf der diesjährigen FOSS4G Europe haben wir dieses Ziel durch die Durchführung eines Workshops in die Praxis umgesetzt. Wie alle unsere Kurse bei Geo-ICT war auch dieser praxisorientiert und offen gestaltet: Wir vermittelten den Teilnehmern die Grundlagen, woraufhin sie die Freiheit erhielten, ihre eigenen Ideen weiter auszuarbeiten.
In der Geowelt beginnen wir meist mit einem vorhandenen Datensatz. Aber was ist, wenn man eigene Daten erfassen möchte? Dann kann man einen Sensor verwenden und die Ergebnisse an eine Datenbank senden. Die gute Nachricht ist, dass die Erstellung des ersten Projekts überraschend einfach ist, wenn man weiß, wo man anfangen muss.
Die Teilnehmer lernten die gesamte Architektur hinter Sensordaten kennen. Während des Workshops bauten wir einen Sensor und übertrugen die Daten per WLAN an ein Backend. Einer der Vorteile von Open Source ist, dass verschiedene Bausteine problemlos zusammenarbeiten können, wenn sie offene Standards nutzen. Dadurch kann man die Daten auch in einer eigenen Datenbank speichern und nutzen.
Wir begannen gemächlich mit einer Einführung in alle Hardwarekomponenten. Anschließend bauten wir eine blinkende LED (die Hardware-Variante von „Hello World!“). Das Endergebnis war ein Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor, der an einen Mikrocontroller mit einer GPS-Antenne angeschlossen war.
Es hat mir großen Spaß gemacht, einen Hardware-Workshop zu leiten und zu sehen, wie viel Begeisterung das ausgelöst hat. In Gesprächen mit Hans van der Kwast habe ich den Wert des selbstgesteuerten Lernens kennengelernt, und diesen Ansatz habe ich im Workshop umgesetzt. So konnten die Teilnehmer in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Einige bauten mit LEDs die rumänische Flagge nach, während andere meinen Code verbesserten oder sich gegenseitig bei der Konfiguration halfen. Alle arbeiteten im selben Raum und halfen sich gegenseitig, wo es nötig war. Als Dozent hat man manchmal das Gefühl, wenig beizutragen, wenn man nicht gerade das Wort hat. Doch ein großer Teil des Lernprozesses findet gerade dann statt, wenn die Teilnehmer selbst Lösungen entdecken. Ein persönliches Lernziel von mir ist es daher, öfter den Mund zu halten und diesem Prozess Raum zu geben.
Die Architektur in der obigen Abbildung geht über einen einzelnen Sensor hinaus. Sie zeigt, wie eine vollständige Open-Source-Internet-of-Things-Pipeline den Sensor, das Backend und das Dashboard miteinander verbindet. Der Workshop auf der FOSS4G bot bereits einen Vorgeschmack auf unseren neuen Kurs „Vom Sensor zur Karte mit C++ und XIAO ESP32-C3“. Die Blink-Anleitungen weiter unten in diesem Blog stellen einen noch kleineren Vorgeschmack dar: Sie behandeln nur den ersten Schritt dessen, was die Teilnehmer im Rahmen des gesamten Kurses erstellen werden.
Dieser Kurs ist Teil einer umfassenderen Reihe von Geo-ICT-Kursen, die die verschiedenen Komponenten einer Open-Source-IoT-Pipeline behandeln:
Die beiden „Vom Sensor zur Karte“-Kurse behandeln einen ähnlichen Prozess, nutzen jedoch unterschiedliche Technologien. Der Kurs mit dem XIAO ESP32-C3 verwendet C++ und verfolgt einen eher produktionsorientierten Ansatz. Der Kurs mit dem Arduino Nano ESP32 nutzt MicroPython, wodurch er für Anfänger leichter zugänglich ist.
Jeder Kurs kann einzeln belegt werden, doch zusammen vermitteln sie das Wissen zum Aufbau einer kompletten Open-Source-Pipeline: vom physischen Sensor über das Backend bis hin zu einem webbasierten Dashboard. So kannst du deine eigenen Daten sammeln, verarbeiten und in deiner eigenen Umgebung speichern und diese schließlich in eine Anwendung umsetzen, die tatsächlich genutzt werden kann.
In einem anderen Blogbeitrag „IoT-Tutorial: Schnell loslegen mit dem XIAO ESP32-C3: Leuchtet die Lampe?“ stelle ich ein Tutorial zu einer ersten Übung vor.
Möchtest du das volle Erlebnis? Dann schau dir unseren Kurs „Vom Sensor zur Karte mit C++ und XIAO ESP32-C3“ an.
In diesem Kurs arbeitest du unter anderem mit einem GPS-Modul, einem Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor sowie dem standardkonformen Datenaustausch über die OGC SensorThings API.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, ist ein viel besseres Verständnis des Open-Source-Geodaten-Ökosystems. Ich habe eine größere Wertschätzung dafür entwickelt, wie viel Zusammenarbeit, Koordination und langfristiges Engagement erforderlich sind, um die Software zu entwickeln und zu pflegen, auf die sich so viele Organisationen täglich verlassen.
Bei Geo-ICT arbeiten wir bereits intensiv mit Open-Source-Technologien und bieten Schulungen zu vielen dieser Tools an. Durch die Teilnahme an der FOSS4G wurde erneut deutlich, wie wertvoll dieses Ökosystem ist – nicht nur für die Softwareentwicklung, sondern auch für den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit. Die Konferenz hat uns neue Ideen geliefert, wie wir unser Fachwissen weiter ausbauen, mehr vom breiteren Open-Source-Ökosystem in unsere Schulungen integrieren und weiterhin einen aktiven Beitrag zur Community leisten können.
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